{"id":2946,"date":"2021-10-15T03:02:00","date_gmt":"2021-10-15T01:02:00","guid":{"rendered":"https:\/\/magazin.progeno.de\/?p=2946"},"modified":"2021-10-15T14:34:30","modified_gmt":"2021-10-15T12:34:30","slug":"mustervorlage-nicole","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/magazin.progeno.de\/index.php\/2021\/10\/15\/mustervorlage-nicole\/","title":{"rendered":"Welche Werte treiben uns an und um?"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00dcber Gemeinschaftssinn und Selbstverwirklichung &#8211; was kann uns Schulz von Thun dazu sagen?<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>In der<\/strong> <strong>Progeno erleben wir t\u00e4glich<\/strong> <strong>Situationen im dynamische Spannungsfeld von Gemeinsschaftssinn und Selbstverwirklichung. Dahinter verbergen sich unsere meist unausgesprochenen Wertvorstellungen. Der Kommunikationswissenschaftler Schulz von Thun hat diese als gewichtige Leitprinzipien unserer Kommunikation erkannt. Letzlich geht es um die Frage, wie Gemeinschaft gelingen kann.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><em>[Intro] Reden, insbesondere mit anderen Menschen, ist nicht frei von M\u00fche und Risiko. In der letzten Ausgabe stand hier Christophs Schnelleinf\u00fchrung in die vier Seiten der Kommunikation nach Schulz von Thun \u2013 aus Sender- und Empf\u00e4ngersicht: Die Ampel ist gr\u00fcn\u2026 Daneben stand mein alltagspraktischer, banal provokanter Versuch, das aus pers\u00f6nlicher Warte auszubuchstabieren: Wir m\u00fcssen reden\u2026<br>Wir setzen dieses Nachdenken in diesem Beitrag hier fort. Den Fokus liegt diesmal auf Werte, die trennen wie auch verbinden k\u00f6nnen. Was bedeutet das f\u00fcr die Kommunikation innerhalb unserer Genossenschaft?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Progeno eG schreibt auf der Internet-Startseite zu Freiham als ersten Spiegelpunkt: Wir legen \u201eWert auf Sinn f\u00fcr Nachbarschaft und Gemeinschaft\u201c. Wer unsere Bau- und Bewohner:innentreffs kennt, d\u00fcrfte das nicht \u00fcberraschen. Interessant ist dieses Duo dennoch. So ist die Nachbarschaft doch ein abgegrenzter Bezugsrahmen zwischen Menschen, in einem Dorf vielleicht durch einen Zaun getrennt. Gemeinschaft dagegen ist etwas eindeutig \u00dcberindividuelles, auch wenn es hier ebenfalls nicht zuletzt auf Individuen ankommen d\u00fcrfte: Wenn Gemeinschaft gelingt, dann auch gerade, weil sich Menschen aufeinander einlassen wollen und k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><em>Wenn Gemeinschaft gelingt, dann auch gerade, weil sich Menschen aufeinander einlassen wollen und k\u00f6nnen.<\/em><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Worauf l\u00e4sst sich also eine\/r mit uns ein, gerade wenn er\/sie im Leben bislang nur den klassischen, gro\u00dfst\u00e4dtischen Markt mit schl\u00fcsselfertigen Wohnungen kennengelernt hat? Die Antwort d\u00fcrfte nicht nur Neumitglieder interessieren: Wie weit m\u00fcssen wir als gelingende Gemeinschaft dieses Aufeinander-Einlassen dauerhaft fordern und f\u00f6rdern, ohne das Individuum mit seinen Ecken und Kanten und seinen privaten Interessen zu \u00fcberfordern? In den genannten Mitgliedertreffs mit ihren diversen Themen ist es mit H\u00e4nden zu greifen: Diese Aufgabe ist kein Selbstl\u00e4ufer. Und zu Ende oder abgeschlossen wird sie nie sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Mindestens eine unserer menschlichen Eigenschaften erweist sich dabei als heikel und hartn\u00e4ckig: Wir sind Gewohnheitstiere. Wir nehmen gerne logische Abk\u00fcrzungen oder vertrauen komplett auf das Bauchgef\u00fchl. Viele Entscheidungen, Haltungen aber auch Argumente (!) entstehen also unter unserem kognitivem Radar. Da flie\u00dfen Pr\u00e4gungen und Erfahrungen ein, die h\u00e4ufig jenseits unseres Bewusstseins liegen. Ein wesentlicher Aspekt dabei sind h\u00e4ufig unausgesprochene Wertvorstellungen. Und machen wir uns nichts vor: Wenn Werte im Spiel sind, haben Fakten, die nicht ins Bild passen, h\u00e4ufig schlechte Karten. Mein eindr\u00fccklichstes Beispiel dazu: Die sich zuspitzende Klimakrise, die vor allem eine tragische Kommunikations- und Umsetzungskrise ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bedeutung von Werten hat auch der Kommunikationswissenschaftler Schulz von Thun erkannt. Sein Modell \u201eMiteinander reden\u201c ber\u00fccksichtigt Werte als gewichtige Leitprinzipien. \u00dcberraschend dabei: wir sind in der Regel auch von einem gegenl\u00e4ufigen Wert mit beeinflusst, der zum ersten in einem<strong> positiven Spannungsverh\u00e4ltnis<\/strong> steht, im gelungenen Zusammenspiel aber f\u00fcr Ma\u00df und Mitte bzw. Angemessenheit sorgen kann. Ein Beispiel: Wenn wir uns etwa in diesen Tage mit Menschen treffen, dann vertrauen wir darauf, dass sie uns durch eigenverantwortliches Handeln vor einer h\u00f6heren Infektionsgefahr mit Corona sch\u00fctzen. Aus Vorsicht verzichten wir zudem aber auch auf unn\u00f6tige K\u00f6rperber\u00fchrungen. Im Einzelfall gilt es, angemessen beide Anspr\u00fcche von Vertrauen und Vorsicht auszubalancieren. Je nach Umst\u00e4nden (etwa allg. Inzidenz, Impfstatus und Risikogruppe etc.) w\u00fcrden wir diese Balance immer neu austarieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch<strong> Gemeinschaftssinn <\/strong>steht in einem dynamischen Spannungsverh\u00e4ltnis zu einem anderen f\u00fcr sich positiven Wert, der <strong>\u201eSelbstverwirklichung\u201c<\/strong>. Tats\u00e4chlich hilft der uns, einen gesunden Gemeinschaftssinn besser abzugrenzen: Denn ohne Selbstverwirklichung als Korrektiv k\u00f6nnte Gemeinschaftssinns schnell als reine Notwendigkeit zur Unterordnung und Selbstlosigkeit verstanden werden. Dann drohten wohl Passivit\u00e4t und R\u00fcckzug statt befruchtender Austausch. Ob wir dann \u00fcberhaupt noch verantwortungsbewusste Entscheidungen hinbek\u00e4men?! In seinem Modell bezeichnet Schulz von Thun jedenfalls die Selbstlosigkeit als<strong> entwertende \u00dcbertreibung <\/strong>von Gemeinschaftssinn.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><em>Auch<strong>&nbsp;Gemeinschaftssinn&nbsp;<\/strong>steht in einem dynamischen Spannungsverh\u00e4ltnis zu einem anderen f\u00fcr sich positiven Wert, der&nbsp;<strong>\u201eSelbstverwirklichung\u201c<\/strong><\/em><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Es gibt also eine Gefahr, dass entwertende \u00dcbertreibungen das Spiel machen. Bei Progeno fallen mir daf\u00fcr aus jetzt 5 Jahren nur wenige Einzelbeispiele ein. Viel h\u00e4ufiger und pr\u00e4gender sind die Beispiele, in denen positiven Werte sich durchsetzen und langfristig harmonieren. So erm\u00f6glichen viele unserer \u201eGemeinschaftsleistungen\u201c erst individuelle Verwirklichung \u2013 und umgekehrt! Ein Paradebeispiel liefert unsere Holzwerkstatt. Die ist nicht nur Labor f\u00fcr die \u201eSelbstentwickler\u201c. Sie ist ebenso eine ad-hoc Ressource f\u00fcr alle, die etwa mal eine lockere Holzleiste festleimen oder ein Taubengitter (hier wiederum f\u00fcr die Gemeinschaft!) bauen wollen. G\u00e4be es den Raum mit seinen Initiatoren und Expert:innen nicht, w\u00e4ren wir alle schlechter dran. Partikularinteressen und Gemeinschaftsinteressen bedingen und erm\u00f6glichen sich hier also gegenseitig. Ist das ein Zufall? Ich w\u00fcrde sagen eher das Ergebnis absichtsvoller Planung, Offenheit und gelebten Gemeinsinns.<\/p>\n\n\n\n<p>Beispiel: Werte-\/Entwicklungsquadrat zu \u201eGemeinschaftssinn\u201c nach Schulz von Thun<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"730\" height=\"357\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/magazin-neu.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/image.png?resize=730%2C357&#038;ssl=1\" alt=\"\" class=\"wp-image-3320\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/magazin.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/image.png?w=1011&amp;ssl=1 1011w, https:\/\/i0.wp.com\/magazin.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/image.png?resize=300%2C147&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/magazin.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/image.png?resize=768%2C375&amp;ssl=1 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 730px) 100vw, 730px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Wenn unsere Diskussionen aber abdriften und wir tats\u00e4chlich abw\u00e4gen zwischen den \u00fcbertriebenen Ausformungen \u2013 etwa einer f\u00fcr sich behaupteten (und von anderen eingeforderten) Selbstlosigkeit versus einer anderen unterstellten Egozentrik \u2013 dann werden wir die Debatte und ihre m\u00f6glichen Ergebnisse sicherlich nicht als gelungen wahrnehmen. Zwei d\u00fcrftige Werte lassen sich kaum zu einem guten Paket verbinden. Wird es der erwartbare kleinste gemeinsame Nenner, dann verlieren alle. Schulz von Thun spricht hier von einer <strong>\u00dcberkompensation<\/strong> oder der Flucht aus einem Unwert\/Extrem in das andere.<\/p>\n\n\n\n<p>Was lernen wir hieraus f\u00fcr gute Kommunikation bei Progeno? Hier meine kurz und knapp meine Schlussfolgerungen zur Diskussion:<br>1) Lasst uns die positiven Tugenden (bitte beide!) und damit die ganze Bandbreite der positiven Absichten (!) in unseren Argumenten in den Fokus nehmen.<br>2) Wenn wir Entwertendes h\u00f6ren oder selbst denken, sollten wir das kritisch hinterfragen bzw. offen ansprechen und bewusst korrigieren.<br>3) Es lohnt sich daf\u00fcr selbstkritisch, sensibel und prinzipiell ergebnisoffen und anschlussf\u00e4hig zu sein \u2013 so sehr uns auch in die eigene bestechende Argumentationskette gefallen mag.<br>4) Unser besonderes Augenmerk liegt auf der Qualit\u00e4t des Diskussions- und Entscheidungs-prozesses. Damit vermeiden wir unn\u00f6tige Kr\u00e4nkungen, Scheindebatten und -L\u00f6sungen.<br>5) Auf allzu strategische und verk\u00fcrzte Argumente (mit Subtext, doppeltem Boden) verzichten wir daher besser.<br>6) Das gerechte Argumentieren mit Ma\u00df und Mitte und \u00fcberhaupt eine gesunde Debattenkultur, die zu uns passt, m\u00fcssen wir \u00fcben.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Start daf\u00fcr hier eine erste Aufgabe. Die Ergebnisse w\u00fcrde ich gerne als Ausgangspunkt nutzen, um in einem der n\u00e4chsten Bewohner:innentreffs ehrlich und offen die Anspr\u00fcche an unseren Innenhof zu diskutieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Also: Komplettiert doch bitte mal \u2013 ganz Schulz von Thun folgend \u2013 das Wertequadrat um den zum Anspruch\/Wert \u201eRuhe\u201c. Meine zwei Hilfsfragen f\u00fcrs Bef\u00fcllen w\u00e4ren:<br>(1) Was ist die komplement\u00e4re positive Tugend zur Ruhe. Ohne die, sollte eine ausgewogene L\u00f6sung nicht zu finden sein.<br>(2) Was w\u00e4ren die zwei entwertenden \u00dcbertreibungen, die wir im Sinne eines guten Kompromisses besser vermeiden wollen?<\/p>\n\n\n\n<p>Nur Mut. Es wird viele gute L\u00f6sungen geben und ich bin auf Eure R\u00fcckmeldungen gespannt. Lasst uns am gr\u00f6\u00dften gemeinsamen Vielfachen bei Progeno zusammen weiter werkeln!<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcbung: Werte-\/Entwicklungsquadrat zum \u201eRuhe\u201c nach Schulz von Thun<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"730\" height=\"342\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/magazin-neu.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/image-1-1024x480.png?resize=730%2C342&#038;ssl=1\" alt=\"\" class=\"wp-image-3322\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/magazin.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/image-1.png?resize=1024%2C480&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/magazin.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/image-1.png?resize=300%2C141&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/magazin.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/image-1.png?resize=768%2C360&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/magazin.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/image-1.png?w=1033&amp;ssl=1 1033w\" sizes=\"auto, (max-width: 730px) 100vw, 730px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/magazin-neu.progeno.de\/index.php\/redaktionsteam\/\">Daniel Scholz<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber Gemeinschaftssinn und Selbstverwirklichung &#8211; was kann uns Schulz von Thun dazu sagen? 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