{"id":4016,"date":"2022-04-29T03:07:00","date_gmt":"2022-04-29T01:07:00","guid":{"rendered":"https:\/\/magazin.progeno.de\/?p=4016"},"modified":"2022-04-29T06:13:42","modified_gmt":"2022-04-29T04:13:42","slug":"old-habits-die-hard","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/magazin.progeno.de\/index.php\/2022\/04\/29\/old-habits-die-hard\/","title":{"rendered":"Old habits die hard"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ich bin sicher \u201eProaktive Hemmung\u201c und \u201ebeschleunigtes Vergessen\u201c werden uns nicht im Wege stehen \u2013 wir k\u00f6nnen auf all die Einschr\u00e4nkungen sehr gut verzichten:<\/h3>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"730\" height=\"577\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/magazin-neu.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/bilder_coronazeit-1024x809.jpg?resize=730%2C577&#038;ssl=1\" alt=\"\" class=\"wp-image-4062\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/magazin.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/bilder_coronazeit.jpg?resize=1024%2C809&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/magazin.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/bilder_coronazeit.jpg?resize=300%2C237&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/magazin.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/bilder_coronazeit.jpg?resize=768%2C607&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/magazin.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/bilder_coronazeit.jpg?w=1240&amp;ssl=1 1240w\" sizes=\"auto, (max-width: 730px) 100vw, 730px\" \/><figcaption><em>Was uns die letzten zwei Jahre vor allem besch\u00e4ftigt hat und wieviel Neues wir haben lernen m\u00fcssen \u2026 und verinnerlicht haben<\/em>. <em>(Fotos: unsplash)<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Im letzten Artikel zur \u201eMacht der Gewohnheit\u201c haben Sie vielleicht die Aufgaben mit der Farbtafel durchgef\u00fchrt und buchst\u00e4blich \u201eam eigenen Leib\u201c erfahren, wie es ist, eine Aufgabe zu l\u00f6sen, die in direktem Gegensatz zum bisher gelernten und gewohnten Lesen stand (die Farbe des Wortes war zu nennen, z.B. \u201egr\u00fcn\u201c, das Wort selbst war jedoch rot eingef\u00e4rbt). Das ist erheblich schwerer als nur Worte zu lesen, da als erste Assoziation \u201egr\u00fcn\u201c auftaucht. Woran liegt das?<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Proaktive Hemmung: Die Tendenz, Gelerntes zu sch\u00fctzen<\/h3>\n\n\n\n<p>Bestehendes Vorwissen oder auch Gewohnheiten verlangsamen oder k\u00f6nnen sogar neues Lernen immer dann verhindern, wenn das neue (Farbe nennen) in direktem Gegensatz zum bisherigen (Wort lesen) steht.<br>Der Gehirnmechanismus, der daf\u00fcr verantwortlich ist, dass wir alles, was wir gelernt haben, aufrechterhalten und bewahren, wird proaktive Hemmung oder auch Interferenz genannt. Damit ist der Effekt gemeint, der von fr\u00fcherem Lernen auf sp\u00e4teres Lernen ausgeht. Proaktiv hei\u00dft nach vorne gerichtet. Hemmung bedeutet \u00dcberlagerung oder Beeintr\u00e4chtigung. Proaktive Hemmung bewirkt also, dass bisheriges Wissen oder auch Gewohnheiten und Handlungen das Erlernen und Behalten des neuen Wissens beeintr\u00e4chtigt.<br>Dies zeigt sich im Ph\u00e4nomen des beschleunigten Vergessens. Proaktive Hemmung und beschleunigtes Vergessen beeintr\u00e4chtigen unsere Versuche, neue Dinge zu lernen und bisherige Dinge und Ideen zu verlernen. Sie sind der Grund daf\u00fcr, warum Menschen Ver\u00e4nderungen nicht m\u00f6gen und warum Ver\u00e4nderungen so langsam und schwierig vonstatten gehen. Sie sind auch der Grund daf\u00fcr, warum bisherige Gewohnheiten so hartn\u00e4ckig bestehen bleiben (old habits die hard). <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Mediational Learning<\/h3>\n\n\n\n<p>Wenn Sie bereits erworbene Gewohnheiten, Fertigkeiten oder sich als falsch erweisende Auffassungen ver\u00e4ndern wollen, d.h., etwas erneut lernen wollen, dann ist daf\u00fcr ein Vermittlungsprozess zwischen der bisherigen und der neuen Art notwendig. Dies stellt besondere Anforderungen an Sie, denn Sie befinden sich zwischen der bisherigen und der neuen Art, etwas zu tun. Hierzu muss zun\u00e4chst ein Ausgleich zwischen den bisherigen und den neuen Konzepten hergestellt werden und sodann das neu Gelernte bewahrt bleiben, ohne dass der eingebaute Schutzmechanismus, die proaktive Hemmung (PH) wieder \u2013 und das automatisch \u2013 aktiviert wird. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Ausgangspunkt dieser Methode ist stets das, was ver\u00e4ndert werden soll (und <strong>nicht<\/strong> das, was neu gelernt werden soll): das bisherige Konzept, die bisherige Idee, die bisherige Gewohnheit.<\/p><cite>Dr. Adi Winteler<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Ein sch\u00f6nes Beispiel f\u00fcr erneutes Lernen ist der Umstieg von einer Gangschaltung auf eine Automatik. Der linke Fu\u00df tritt automatisch ins Leere und landet auf dem Boden, der Versuch, einen Gang einzulegen, schl\u00e4gt fehl, da nur noch F, R, N und P vorhanden sind. Dieses erneute Lernen k\u00f6nnen Sie jedoch in einer schrittweisen Abfolge erleichtern.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wir erl\u00e4utern dies im Folgenden am Beispiel der Farbtafel<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/magazin-neu.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/0E085BD9-4CBA-4616-BE6F-42E811F7A1AB.jpeg?resize=690%2C518&#038;ssl=1\" alt=\"\" class=\"wp-image-2978\" width=\"690\" height=\"518\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/magazin.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/0E085BD9-4CBA-4616-BE6F-42E811F7A1AB.jpeg?w=920&amp;ssl=1 920w, https:\/\/i0.wp.com\/magazin.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/0E085BD9-4CBA-4616-BE6F-42E811F7A1AB.jpeg?resize=300%2C225&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/magazin.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/0E085BD9-4CBA-4616-BE6F-42E811F7A1AB.jpeg?resize=768%2C576&amp;ssl=1 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 690px) 100vw, 690px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Im ersten Schritt<\/strong> wird die bisherige Art des Lesens charakterisiert: Bisher lese ich die W\u00f6rter. Dies k\u00f6nnen sie f\u00fcr sich als die bisherige Art des Lesens bezeichnen und auch laut aussprechen. Letzteres ist wichtig f\u00fcr das sp\u00e4ter erfolgende Unterscheidungslernen zwischen bisheriger und neuer Art.<br><strong>Danach sagen Sie f\u00fcr sich,<\/strong> dass Sie eine neue Art des Lesens lernen wollen. Ihre Zustimmung sichert die bewusste Aufmerksamkeit f\u00fcr die neue Art. Sodann stellen Sie f\u00fcr sich die Unterschiede und \u00c4hnlichkeiten zwischen der bisherigen und der neuen Art fest. Dies k\u00f6nnte z.B. wie folgt aussehen:<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-background\" style=\"background-color:#f4f4f4\"><strong><span style=\"text-decoration: underline;\">BISHERIGE ART des Lesens<\/span><br><\/strong><em>Ich lese die farbigen W\u00f6rter so, wie sie im<\/em> <em>Text erscheinen (rot, gr\u00fcn, blau etc.).<\/em><br><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0);color:#f4f4f4\" class=\"has-inline-color\">xxxxxxx<br>xxxxxxx<\/mark><\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-white-color has-text-color has-background\" style=\"background-color:#797b7e\"><strong><span style=\"text-decoration: underline;\">NEUE ART des Lesens<\/span><br><\/strong><em>Ich nenne die Farbe, in der das Wort geschrieben ist. Die Farbe, z.B. rot, unterscheidet sich vom geschriebenen Wort, z.B. gr\u00fcn. Ich nenne die Farbe.<\/em><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p>Diese Prozedur sollten Sie zun\u00e4chst m\u00f6glichst f\u00fcr jedes einzelne Wort wiederholen. So mechanisch dies klingen mag: Die Wiederholungen sind f\u00fcr das Unterscheidungslernen (die Unterscheidung zwischen der bisherigen Art des Lesens und der neuen Art) wichtig. Danach verf\u00fcgt das Gehirn \u00fcber beide Alternativen und kann in der Zukunft zwischen diesen ausw\u00e4hlen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Schlussfolgerung<\/h3>\n\n\n\n<p>Die vorgestellte Strategie des Mediational Learning ist dann anzuwenden und zielf\u00fchrend, wenn neues gelernt werden soll, <strong>das im Widerspruch<\/strong> zu bereits gelernten Gewohnheiten steht. Wenn es um die Erweiterung und Erg\u00e4nzung bereits vorhandener Wissensbest\u00e4nde geht, dann ist konventionelles Training sinnvoll und erfolgreich. Es kann sein, dass Ihr Gehirn bereits w\u00e4hrend der Lekt\u00fcre dieses Textes seinen nat\u00fcrlichen Schutzmechanismus der proaktiven Hemmung aktiviert hat und Ihnen jetzt suggeriert, dass es besser sei, bei der altbew\u00e4hrten Methode des Lesens zu bleiben und sich nicht auf die ungewohnte, davon abweichende neue Lesemethode einzulassen. Betrachten Sie dies einfach als einen weiteren Beweis f\u00fcr die G\u00fcltigkeit der Mediational Learning Theory.<\/p>\n\n\n\n<p><em>s.a.: Winteler, A. &amp; Krau\u00df, T. (2005). Mediational Learning: Zur Ver\u00e4nderung von Lehrkonzepten. In:<\/em> <em>Welbers, U. &amp; Gaus, O. (Hrsg.). The Shift from Teaching to Learning. Blickpunkt Hochschuldidaktik, Bd. 116. S. 381-385. Bielefeld: Bertelsmann.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p> <\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/magazin-neu.progeno.de\/index.php\/redaktionsteam\/\">Dr. Adi Winteler<\/a>, <a href=\"https:\/\/magazin-neu.progeno.de\/index.php\/redaktionsteam\/\">Karla Fl\u00fcgel<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin sicher \u201eProaktive Hemmung\u201c und \u201ebeschleunigtes Vergessen\u201c werden uns nicht im Wege stehen \u2013&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":10,"featured_media":4415,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"ngg_post_thumbnail":0,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_feature_clip_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_post_was_ever_published":false},"categories":[4],"tags":[265,203,199,200,201,204,202,205],"class_list":["post-4016","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-vor-und-nachgedachtes","tag-ausgabe-4","tag-effekt","tag-gewohnheit","tag-lehren","tag-lernen","tag-reaktion","tag-test","tag-veraendern"],"acf":[],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/magazin.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/habits_beitragsbild-scaled.jpg?fit=2560%2C2429&ssl=1","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/magazin.progeno.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4016","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/magazin.progeno.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/magazin.progeno.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/magazin.progeno.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/10"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/magazin.progeno.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4016"}],"version-history":[{"count":29,"href":"https:\/\/magazin.progeno.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4016\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4549,"href":"https:\/\/magazin.progeno.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4016\/revisions\/4549"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/magazin.progeno.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4415"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/magazin.progeno.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4016"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/magazin.progeno.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4016"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/magazin.progeno.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4016"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}