{"id":5209,"date":"2022-11-03T00:40:00","date_gmt":"2022-11-02T22:40:00","guid":{"rendered":"https:\/\/magazin.progeno.de\/?p=5209"},"modified":"2022-11-03T13:42:31","modified_gmt":"2022-11-03T11:42:31","slug":"mehr-als-deins-und-meins","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/magazin.progeno.de\/index.php\/2022\/11\/03\/mehr-als-deins-und-meins\/","title":{"rendered":"\u201eMehr als deins und meins\u201c"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wie denken wir eigentlich \u00fcber Eigentum?<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Kristina Weber, Bewohnerin im Prinz-Eugen-Park, gibt uns Einblick in ihre Beobachtungen am Progeno-Dorfplatz, die sie zu allerlei Fragen anregen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Stell dir vor, du sitzt am Sandkasten! Dir gegen\u00fcber spielt ein Kleinkind mit seinem geliebten Bagger. Es hat den Bagger von zuhause mitgebracht, die Eltern sitzen am Rand, spielen aber gerade nicht mit. Ein Vater mit einem weiteren Kleinkind kommt dazu. Das Kind klettert in den Sandkasten. Es sieht sich um. Dir ist schon klar, gleich wird es nach dem Bagger greifen. Du denkst bei dir: \u201eSpannend, wie wird das wohl ausgehen?!\u201c Mit der gleichen Spannung k\u00f6nnten wir auf unseren Progeno-Dorfplatz blicken, unseren Hof und unser Gemeinschaftseigentum, das von anderen mitbenutzt werden kann.<br><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"730\" height=\"515\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/magazin-neu.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/PHOTO-2022-10-27-16-48-42-e1666886683241-1024x723.jpg?resize=730%2C515&#038;ssl=1\" alt=\"\" class=\"wp-image-5464\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/magazin.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/PHOTO-2022-10-27-16-48-42-e1666886683241.jpg?resize=1024%2C723&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/magazin.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/PHOTO-2022-10-27-16-48-42-e1666886683241.jpg?resize=300%2C212&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/magazin.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/PHOTO-2022-10-27-16-48-42-e1666886683241.jpg?resize=768%2C542&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/magazin.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/PHOTO-2022-10-27-16-48-42-e1666886683241.jpg?resize=1536%2C1084&amp;ssl=1 1536w, https:\/\/i0.wp.com\/magazin.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/PHOTO-2022-10-27-16-48-42-e1666886683241.jpg?w=2048&amp;ssl=1 2048w, https:\/\/i0.wp.com\/magazin.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/PHOTO-2022-10-27-16-48-42-e1666886683241.jpg?w=1460&amp;ssl=1 1460w\" sizes=\"auto, (max-width: 730px) 100vw, 730px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>Szene am Sandkasten <\/em>(Foto: Kristina Weber)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><br>Im Sandkasten gibt es jetzt je nach (Erziehungs-)Philosophie, Charakter der Kinder und der Eltern ziemlich viele M\u00f6glichkeiten, wie sich die Situation entwickelt k\u00f6nnte. Schlie\u00dflich geht es um das Eigentum des ersten Kindes. Eigentlich gibt es ja auch keinen Grund, den Bagger zu teilen. Die Eltern haben ihn gekauft, das Kind hat gerade Spa\u00df mit dem Bagger. Es will den Bagger nicht einfach so  aufgeben oder teilen. Das andere Kind aber hat noch nicht gelernt, Dinge nur zu beneiden und nicht gleich benutzen zu wollen. Die Kinder beginnen am Bagger zu zerren, eines schreit, eines weint. \u201eMeins\u201c, ruft das eine Kind. \u201eMeins\u201c, das andere. Die Eltern mischen sich ein: \u201eIhr k\u00f6nnt doch gemeinsam spielen!\u201c \u201eWechselt euch doch ab!\u201c \u201eNein, wir nehmen anderen nicht einfach so das Spielzeug weg!\u201c \u201eEr\/Sie muss aber doch auch teilen lernen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Teilen &#8211; wie geht das?<\/h3>\n\n\n\n<p>Interessant, dieser Gedanke, oder? Wir sollen teilen lernen! Dabei zeigt uns die Gesellschaft doch sp\u00e4testens nach den Kleinkindjahren, wie wichtig es ist, etwas zu haben \u2013 Eigentum zu besitzen. Eigentum wertet uns als Individuum auf. Das coole Rad, die Marken-Jeans, diese Konsole, jenes Auto, dieser Kinderwagen und schlie\u00dflich, die Kr\u00f6nung: das hart erarbeitete Wohneigentum. F\u00fcr viele ist da ein Traum erf\u00fcllt, ein eigenes H\u00e4uschen, vielleicht sogar mit Garten. Dort im Sandkasten besteht auch keine Gefahr mehr, teilen zu m\u00fcssen, weder f\u00fcr Kinder noch f\u00fcr Eltern. Laden wir dorthin Leute ein, geschieht das zu unseren Bedingungen. Sie k\u00f6nnen unsere Dinge benutzen, auf unseren Gartenst\u00fchlen  unter unserem Sonnenschirm sitzen. Aber die Eigentumsverh\u00e4ltnisse sind ganz klar. Und will man nicht teilen, l\u00e4dt man einfach niemanden ein. Meins, deins, unsers.  Anders ist das im Hof der \u201eProgeno\u201c \u2013 und wahrscheinlich auch in anderen H\u00f6fen des Prinz-Eugen-Parks. Wobei \u2013 eigentlich ist es doch auch in diesem Fall ganz klar. Die H\u00f6fe sind Privatgel\u00e4nde, alles darin geh\u00f6rt der Genossenschaft. Aber die Genossenschaft, die ist nicht eine Person, eine Familie. Die ist viele. Die Sonnenschirme? \u201eUnsere\u201c. Die Sitzgruppe? \u201eUnsere\u201c. Das Spielger\u00e4t? \u201eUnsers\u201c. Dieses \u201eUnsers\u201c h\u00e4lt Einiges aus. W\u00e4hrend die einen sich mehr verantwortlich f\u00fchlen, Dinge anschaffen, pflegen \u2013 benutzen andere sie nur. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Wir haben jetzt ein gemeinsames \u201eMeins\u201c &#8211; sozusagen eine gemeinsame \u201eEigentums-Tradition\u201c <\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Ein bisschen wie das Kind, das mit dem Bagger spielt. Es hat ihn nicht gekauft und nicht mit zum Spielplatz gebracht. Trotzdem f\u00fchlt es: \u201eMeins\u201c. Dass wir das als Gemeinschaft aushalten, darauf k\u00f6nnen wir stolz sein. Wir haben jetzt ein gemeinsames \u201eMeins\u201c. <br>Doch noch etwas macht diese Situation spannend und manchmal schwierig. Dieser, unser Hof ist kein Garten! Er hat keinen Zaun, ist nicht abgeschieden hinter hohen Hecken. Er ist offen und er ist geteilt mit noch einem gemeinschaftlichen \u201emeins\u201c, dem der \u201eWagnis\u201c n\u00e4mlich. Das klappt gut, man hat sich gefunden, es gibt Regeln, kommunizierte und unausgesprochene \u2013 sozusagen eine gemeinsame  \u201eEigentums-Tradition\u201c. Noch ein Grund, stolz zu sein!<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Das gemeinsame &#8222;Meins&#8220; &#8211; wie entsteht das?<\/h3>\n\n\n\n<p>\u201eWir haben teilen gelernt!\u201c k\u00f6nnten wir jetzt also berichten \u2013 doch halt! Bisher teilen wir nur unter uns unser \u201emeins\u201c. Unser Eigentum. Unseren Bagger! Den benutzen wir gemeinsam. Wer jetzt genervt ist von der Analogie: Genauso l\u00e4uft es in unserem Hof. Das Sandspielzeug wird  gemeinsam benutzt, wandert zwischen \u201eWagnis\u201c und \u201eProgeno\u201c-Sandkasten hin und her. \u201eProgenos\u201c und \u201eProgenas\u201c sitzen auf den B\u00e4nken der \u201eWagnis\u201c, man trinkt gemeinsam Kaffee, in den Gemeinschaftsr\u00e4umen spielen Kinder beider Gemeinschaften zusammen. Nat\u00fcrlich ist nicht alles \u201eunsers\u201c. Die Sache mit dem Eigentum ist nicht abgeschafft und manch einer hat auch noch ein kleines eigenes \u201emeins\u201c zus\u00e4tzlich,  einen Bagger, der nur ihm geh\u00f6rt \u2013 damit er nicht verloren geht.<br>Denn manchmal, da scheint das mit dem gemeinsamen \u201emeins\u201c nicht zu klappen. Sandspielzeug verschwindet, ein Stuhl ist kaputt, was ist passiert?! M\u00fcll am Sandkasten und im Hof. Wer hat die Sitzgruppe verschoben und den Tisch so hinterlassen? Ein fremdes Kind spielt allein im  Gemeinschaftsraum! Ein Picknick in unserem Hof \u2013 aber keine Bewohner*innen weit und breit! Jemand hat einen Sonnenschirm aufgespannt und dabei fast kaputtgemacht. Wer hat von meinem Tellerchen gegessen? Unser Hof ist kein Garten hinter Hecken.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Offen f\u00fcr alle &#8211; funktioniert das?<\/h3>\n\n\n\n<p>Der Hof ist \u2013 wie gesagt \u2013 kein Garten hinter Hecken oder sieben Bergen. Er ist offen f\u00fcr alle &#8211;  manchmal gilt das sogar f\u00fcr die T\u00fcr zum Gemeinschaftsraum. Die Spielger\u00e4te locken, die Ruhe und der gr\u00fcne Hof. Der gro\u00dfe Sandkasten mit der gem\u00fctlichen Bank. Nicht nur Kinder kommen und greifen sich \u201eunsere\u201c Bagger. Nein, auch Erwachsene halten ihr Gesicht auf der Gemeinschaftsterrasse in die Sonne.  Und manchmal machen sie mehr als das, sie halten sich nicht an die unausgesprochenen Regeln, die f\u00fcr uns \u201eselbstverst\u00e4ndlich\u201c sind. Gehen nicht sorgsam mit den Dingen um. Verstehen nicht, was hier  &#8222;meins\u201c ist und was \u201edeins\u201c.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Statt andere auszusperren, k\u00f6nnten wir sie einladen und erkl\u00e4ren, wie \u201emeins\u201c bei uns funktioniert<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Dann f\u00fchle ich mich wie das Kind mit dem Bagger. Ich will nicht teilen! Und eigentlich gibt es auch gar keinen Grund daf\u00fcr. Dieser Hof ist unser Eigentum mit allem, was darin ist. Wir haben ihn bezahlt. Wir k\u00f6nnten andere aussperren, wegschicken, \u201emeins\u201c rufen. Nun denke ich an die Kinder und den Bagger, und auch daran, wie gut es unter uns und mit der \u201eWagnis\u201c funktioniert zu teilen &#8211; kommt mir ein Gedanke: Es macht einfach mehr Spa\u00df, gemeinsam zu spielen! Nat\u00fcrlich braucht es dazu Regeln.  Vielleicht k\u00f6nnen wir die aber besser kommunizieren, unser \u201emeins\u201c transparent machen. Statt andere auszusperren, k\u00f6nnten wir sie einladen und erkl\u00e4ren, wie \u201emeins\u201c bei uns funktioniert. Wie das gehen soll? Dazu w\u00fcrde ich mich gern mit euch austauschen!  <br>Das Kind hat den Bagger \u00fcbrigens nicht abgegeben und auch nicht geteilt. Es war noch nicht so weit. Das andere Kind ist mit seinem Papa weitergezogen. Er hat erkl\u00e4rt, zuhause h\u00e4tte das Kind auch einen Bagger. Schade eigentlich! <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/magazin-neu.progeno.de\/index.php\/redaktionsteam\/\">Kristina Weber<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie denken wir eigentlich \u00fcber Eigentum? 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