{"id":5608,"date":"2022-11-03T00:20:00","date_gmt":"2022-11-02T22:20:00","guid":{"rendered":"https:\/\/magazin.progeno.de\/?p=5608"},"modified":"2022-11-03T13:40:54","modified_gmt":"2022-11-03T11:40:54","slug":"wir-wollen-keine-nanny-behoerde-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/magazin.progeno.de\/index.php\/2022\/11\/03\/wir-wollen-keine-nanny-behoerde-sein\/","title":{"rendered":"\u201eWir wollen keine Nanny-Beh\u00f6rde sein\u201c"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Interview mit Kreisverwaltungsreferentin Hanna Samm\u00fcller-Gradl<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Gemeinsam mit ihrem Mann Nik Gradl und ihren Kindern wohnt Hanna in unserer Wohnanlage im Prinz-Eugen-Park. Im Juli 2022 wurde sie vom Stadtrat als Kreisverwaltungsreferentin gew\u00e4hlt. Hanna erz\u00e4hlt, wie sie zur Progeno gekommen sind, und skizziert ihre Pl\u00e4ne, was sie in der zweitgr\u00f6\u00dften M\u00fcnchner Beh\u00f6rde als neue Chefin von etwa 4.000 Mitarbeitenden reformieren will.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"730\" height=\"460\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/magazin-neu.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Interview-Hanna-1024x645.jpg?resize=730%2C460&#038;ssl=1\" alt=\"\" class=\"wp-image-5733\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/magazin.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Interview-Hanna.jpg?resize=1024%2C645&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/magazin.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Interview-Hanna.jpg?resize=300%2C189&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/magazin.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Interview-Hanna.jpg?resize=768%2C483&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/magazin.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Interview-Hanna.jpg?w=1514&amp;ssl=1 1514w, https:\/\/i0.wp.com\/magazin.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Interview-Hanna.jpg?w=1460&amp;ssl=1 1460w\" sizes=\"auto, (max-width: 730px) 100vw, 730px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>Robert Allmeier hat sich mit Hanna Samm\u00fcller-Gradl unterhalten<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Wie seid Ihr darauf gekommen, hier im Prinz-Eugen-Park bei der Progeno einzuziehen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hanna:<\/strong> Das war total lustig. Die Nachbarn, die jetzt \u00fcber uns wohnen, das ist die Familie S\u00e1nchez-Gotz. Die haben in Haidhausen, wo wir fr\u00fcher gewohnt haben, ebenfalls \u00fcber uns gewohnt. Wir und die Kinder haben uns dort angefreundet. Unsere erstgeborenen Kinder, bei ihnen die Alba und bei uns die Lilith, die sind nur wenige Monate auseinander und beste Freundinnen. Irgendwann hat uns die Familie erz\u00e4hlt, dass sie in ein Genossenschaftsprojekt ziehen. Das hat uns interessiert. Wir haben uns dann auf der Progeno-Homepage \u00fcber das Projekt informiert, beworben und auch den Zuschlag bekommen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Was waren die ersten Erfahrungen im Prinz-Eugen-Park, als ihr von Haidhausen in dieses etwas abgelegene Gebiet gezogen seid?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hanna:<\/strong> F\u00fcr uns war es eine riesige Umstellung. Nik und ich haben damals Haidhausen f\u00fcr uns ausgesucht. Die Entscheidung, hierher zu ziehen, haben wir f\u00fcr unsere Kinder getroffen. Vom gemeinsamen Schulweg mit der Alba, kooperativen Ganztagsunterricht bis hin zu den Spielpl\u00e4tzen \u2013 f\u00fcr die Kinder ist es hier definitiv sch\u00f6ner als in Haidhausen. F\u00fcr uns Eltern war es einfacher, zentral zu wohnen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ihr habt ja jetzt nebenan so einen riesengro\u00dfen Abenteuer-Spielplatz. Wie kommt der bei Euren Kindern an?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hanna:<\/strong> Die passen da perfekt rein. F\u00fcr die beiden hat sich in den vergangenen eineinhalb Jahren so ein Spannungsbogen aufgebaut. Wir gucken da genau drauf. Die Kinder haben jeden Tag zugeschaut: Wie weit sind die Bauarbeiten? Wann wurde die Erde abgetragen? Wann sind die ersten horizontalen St\u00e4be gekommen? Es war schon spannend zu sehen, wie die Bauarbeiter wie die Biber die einzelnen Balken zusammengef\u00fcgt haben. Bei unserem f\u00fcnfj\u00e4hrigen Maxim hatten wir anfangs Bedenken, ihn allein zum fertigen Spielplatz zu schicken. Aber das funktioniert mittlerweile problemlos. Wir schauen dann vom Balkon aus zu, wo er gerade herum klettert. Er ist richtig stolz darauf, dass er das allein kann.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"730\" height=\"514\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/magazin-neu.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/IMG_8319.jpg?resize=730%2C514&#038;ssl=1\" alt=\"\" class=\"wp-image-5734\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/magazin.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/IMG_8319.jpg?w=1000&amp;ssl=1 1000w, https:\/\/i0.wp.com\/magazin.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/IMG_8319.jpg?resize=300%2C211&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/magazin.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/IMG_8319.jpg?resize=768%2C541&amp;ssl=1 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 730px) 100vw, 730px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Wenn man hier her kommt, stellt man fest, dass es schon lange dauert, bis in so einem Neubaugebiet dann voll funktionsf\u00e4hig ist.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hanna:<\/strong> Ja, man gew\u00f6hnt sich aber daran. Jetzt wohnen wir seit vier Jahren hier und es herrscht immer noch Baustelle. Inzwischen ist das f\u00fcr mich der Normalzustand. Es ist nur nervig, dass der Schulweg noch Baustelle ist und die Gehwege so zugeparkt sind. Lustig ist es, wenn ich abends mal mit dem Taxi heimfahre. Die Taxifahrer*innen sehen dann die Baustelle und die ganzen Schutth\u00fcgel und fragen dann: Sind Sie sich ganz sicher, dass sie da wohnen?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Bevor wir zu der gro\u00dfen Ver\u00e4nderung in Deinem Leben kommen: Du hast Jura studiert und dazu Verwaltungswissenschaften. Was ist letzteres eigentlich?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hanna:<\/strong> Das war ein Zusatzstudium zu Jura. Da lernt man Verwaltungskommunikation. Wie sind Bescheide aufgebaut und wie macht man sie gerichtsfest? Was sind die g\u00e4ngigsten Klageverfahren? Was f\u00fcr Auswirkungen hat das Verwaltungshandeln auf die Gesellschaft? Es wird ein vertieftes Wissen \u00fcber die Verwaltung vermittelt. Es gab auch F\u00e4cher wie Soziologie und politische Wissenschaften, was man sonst in Jura tats\u00e4chlich nicht hat. Man erh\u00e4lt so einen Blick \u00fcber den Tellerrand hinaus.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Du warst damals auch politisch aktiv als Vorsitzende der M\u00fcnchner Gr\u00fcnen und dann hast Du pl\u00f6tzlich aufgeh\u00f6rt. Lag das am Studium?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hanna:<\/strong> Es gibt so Situationen im Leben, da steht man am Scheideweg und muss sich entscheiden. Ich hatte schon mein erstes Staatsexamen und habe meine Doktorarbeit geschrieben. Daf\u00fcr hatte ich ein Stipendium von der B\u00f6ll-Stiftung. Jedes halbe Jahr hatte ich ein Gespr\u00e4ch mit meinem Betreuer. Bei einem dieser Gespr\u00e4ch erz\u00e4hlte ich ihm, dass ich bei der Doktorarbeit noch nicht so weit gekommen bin, weil ich beim Landtagswahlkampf mithelfe. Da hat er mich angeschaut und gesagt: \u201eHanna, was glaubst du eigentlich, wof\u00fcr du das Stipendium bekommst? N\u00e4mlich f\u00fcr die Doktorarbeit und nicht f\u00fcr das politische Engagement. Es ist zwar super, wenn du politisch aktiv bist, aber entscheide dich, was du machen willst! Sitzt du hier vor mir als Politikerin oder als Juristin?\u201c Ich bin aus dem Gespr\u00e4ch heraus gegangen, war fix und fertig und hab&#8216; geheult. Ich habe dann sp\u00e4ter in Ruhe dar\u00fcber nachgedacht und eingesehen, dass er recht hatte. Ich steh&#8216; auf Jura. Ich habe mich bewusst daf\u00fcr entschieden und nicht f\u00fcr die Politik. Was f\u00fcr eine Ironie, dass ich nun Jura-Karriere gemacht habe, die Politik f\u00fcr mich ganz weit weg war und jetzt findet beides wieder zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Nachtr\u00e4glich betrachtet, war es damals die richtige Entscheidung?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hanna: <\/strong>Absolut. Das Leben lebt sich vorw\u00e4rts und erkl\u00e4rt sich r\u00fcckw\u00e4rts. Ich w\u00fcnsche mir manchmal, dass mein jetziges Ich in die Zeit zur\u00fcckreisen k\u00f6nnte, um mir zu sagen: \u201eDieser Moment schmerzt zwar jetzt, aber er ist ganz wichtig f\u00fcr Dich!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><em>Dann ging es beruflich nach in Freising ins Rechtsamt?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hanna:<\/strong> Ich hatte schon bei der Stadt M\u00fcnchen als Juristin angefangen. Da ging es um Grundst\u00fccksangelegenheiten. Das war sehr spannend. Ich habe dort vier Jahre lang gearbeitet und bin dann nach Freising gewechselt. Dort wurde ich erst die Leiterin des Rechtsamts. Zwei Monate sp\u00e4ter habe ich das dortige Referat \u00fcbernommen, das \u00e4hnliche Aufgaben wie das Kreisverwaltungsreferat in M\u00fcnchen hat: B\u00fcrgerb\u00fcro, Standesamt, Ordnungsamt und die Obdachlosen-Unterbringung.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Dann kam der Ruf nach M\u00fcnchen. Hast Du da gleich spontan ja gesagt?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hanna:<\/strong> Das war mein totaler Traum. Wenn man wie ich ein Nerd ist und Verwaltungsrecht liebt, dann ist das Kreisverwaltungsreferat in M\u00fcnchen \u201e the Place to be\u201c. F\u00fcr mich ist das KVR ein Eldorado. Das kann man sich wahrscheinlich nur schwer vorstellen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"730\" height=\"531\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/magazin-neu.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/IMG_8306.jpg?resize=730%2C531&#038;ssl=1\" alt=\"\" class=\"wp-image-5735\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/magazin.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/IMG_8306.jpg?w=1000&amp;ssl=1 1000w, https:\/\/i0.wp.com\/magazin.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/IMG_8306.jpg?resize=300%2C218&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/magazin.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/IMG_8306.jpg?resize=768%2C559&amp;ssl=1 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 730px) 100vw, 730px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Ich kann es mir nicht vorstellen!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hanna:<\/strong>  Wir sind das gr\u00f6\u00dfte Ordnungsamt in Deutschland, das gr\u00f6\u00dfte Standesamt, die gr\u00f6\u00dfte Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde und das gr\u00f6\u00dfte B\u00fcrgerb\u00fcro. Keine Kommunalverwaltung in Deutschland arbeitet auf dem Niveau wie die M\u00fcnchner Stadtverwaltung bzw. das KVR. Als ich im Koalitionsvertrag gelesen habe, dass die Gr\u00fcnen das Kreisverwaltungsreferat besetzen sollen, habe ich gedacht: \u201eBoah, das w\u00e4r&#8217;s!\u201c Da bekomme ich heute noch G\u00e4nsehaut <em>(zeigt auf ihren Arm)<\/em>. Ich hatte es mir aber selbst verboten: \u201eNe, Hanna, Du nicht! Zu jung, nicht politisch aktiv genug, etc.\u201c Irgendwann kam aber der entscheidende Anruf. Das war wie im Traum.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wo doch das Referat f\u00fcr einen B\u00fcrger wie mich etwas hausbacken und spr\u00f6de wirkt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hanna: <\/strong>Ja, aber es hat sich vieles getan. Es k\u00f6nnen viele Sachen inzwischen online erledigt werden. Einer meiner Schwerpunkte, mit denen ich gestartet bin, ist, das Verwaltungshandeln zu digitalisieren und es f\u00fcr die B\u00fcrgerinnen einfacher zu machen. Am liebsten w\u00e4re mir, wenn man gar nicht zu uns kommen muss, weil man alles online erledigen kann. Sollte man aber vorbeikommen m\u00fcssen, m\u00f6chte ich, dass man nicht lange warten muss, weil unser Service so schnell war. Das m\u00f6chte ich anbieten. Im B\u00fcrgerb\u00fcro gibt es schon die M\u00f6glichkeit, Termine online zu vereinbaren. Das geht mittlerweile auch in der Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde, teilweise in verschiedenen Sprachen. Vor kurzem haben wir auch B\u00fcrgerterminals er\u00f6ffnet. An den Terminals kann jeder bestimmte Dienstleistungen selbst erledigen, ohne einen Termin ausmachen zu m\u00fcssen. Du merkst: Wir gehen ganz viele Schritte in die digitale Richtung. Das verdanke ich auch meinen motivierten und innovativen F\u00fchrungskr\u00e4ften. Das habe ich in meinen ersten Tagen als KVR-Chefin gleich gesehen: Meine Mitarbeiter*innen machen sich tagt\u00e4glich Gedanken dar\u00fcber, wie sie das Leben f\u00fcr die M\u00fcnchner*innen verbessern k\u00f6nnen. Da sind tolle Ideen dabei, die ich mit voller Tatkraft unterst\u00fctze.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Beim Kreisverwaltungsreferat erinnern sich die \u00c4lteren in M\u00fcnchen an den Eklat mit dem geschassten Wiesnwirt Richard S\u00fc\u00dfmeier oder das Lied \u201eSkandal im Sperrbezirk\u201c der Spider Murphy Gang, alles verbunden mit dem Namen des damaligen CSU-KVR-Chefs Peter Gauweiler. Ist das eine Eigenart des Ordnungsamtes, dass man manchmal reingr\u00e4tschen muss, um etwas in eine bestimmte Richtung zu bringen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hanna:<\/strong> Nein, das finde ich gar nicht. Das KVR ist keine Beh\u00f6rde, die irgendwen erziehen muss. Sie ist keine \u201eNanny-Beh\u00f6rde\u201c, die den Leuten vorschreibt, wie sie zu leben haben. Ich bin keine Freundin davon, dass man sich einen Namen damit macht, m\u00f6glichst schnell m\u00f6glichst harte Bu\u00dfgelder zu verh\u00e4ngen. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Das KVR ist keine \u201eNanny-Beh\u00f6rde\u201c, die den Leuten vorschreibt, wie sie zu leben haben. <\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Meiner Meinung nach braucht es nicht mehr, sondern weniger Regeln. Daf\u00fcr aber welche, die sinnvoll sind und gut kontrolliert werden k\u00f6nnen \u2013 ohne das Ermessen und die Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit au\u00dfer Acht zu lassen. Da lege ich ganz gezielt einen Schwerpunkt. Nicht jede*r Gastronom*in muss gleich ein Bu\u00dfgeld kassieren, nur weil die St\u00fchle mal au\u00dferhalb der Sondernutzungsfl\u00e4chen stehen. Nicht jede*r Wirt*in eines Schanigartens muss bef\u00fcrchten die Konzession zu verlieren, nur weil der Schanigarten nicht gleich zum 1. November abgebaut ist. Das ist auch eine Typ-Frage: Was will ich an der Position? Ich will keine Politikerin werden. Das bin ich auch von meiner ganzen Art und vom Typ her nicht. Ich will Chefin dieser Beh\u00f6rde sein. Punkt.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p><em>Daher auch die sanfte Behandlung von Wiesnwirten?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hanna:<\/strong> Ich behandele die Wirt*innen nicht sanft. Das hat man beim Thema \u201eEinschankkontrollen\u201c gemerkt. Die Wiesnwirt*nnen fanden es nicht lustig, dass ich die schlechten Einschankwerte \u00f6ffentlich gemacht habe. Ich hingegen war \u00fcberzeugt: Wenn wir in diesem Jahr festgestellt haben, dass besonders schlecht eingeschenkt wurde, dann m\u00fcssen die M\u00fcnchner*innen das wissen. Insbesondere gab es ja w\u00e4hrend der Wiesn ein Krisengespr\u00e4ch, das zu keiner Besserung gef\u00fchrt hat. Die Menschen, die viel Geld f\u00fcr so eine Ma\u00df Bier zahlen, sollen wissen, dass wir als KVR dahinter sind, dass ordentlich eingeschenkt wird.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"730\" height=\"548\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/magazin-neu.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/IMG_8315.jpg?resize=730%2C548&#038;ssl=1\" alt=\"\" class=\"wp-image-5737\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/magazin.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/IMG_8315.jpg?w=1000&amp;ssl=1 1000w, https:\/\/i0.wp.com\/magazin.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/IMG_8315.jpg?resize=300%2C225&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/magazin.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/IMG_8315.jpg?resize=768%2C576&amp;ssl=1 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 730px) 100vw, 730px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Anderes Thema: Bist Du eigentlich auch Standesbeamtin?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hanna: <\/strong> Nein, daf\u00fcr m\u00fcsste ich einen zweiw\u00f6chigen Intensivkurs mit Themen wie \u201eInternationales Namensrecht\u201c absolvieren und diesen alle zwei Jahre auffrischen. Erst dann d\u00fcrfte ich mich Standesbeamtin nennen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Du \u00fcberl\u00e4sst das lieber dem Oberb\u00fcrgermeister, der hin und wieder gerne Paare traut?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hanna:<\/strong> Das ist ja das Gemeine, der muss die Kurse nicht machen. Ich verrate aber jetzt ein Geheimnis: Wenn er Paare traut, dann ist im Hintergrund immer eine Standesbeamtin oder -beamter dabei. Er spricht zwar die Worte, aber die Beurkundung macht er nicht.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Du willst auch das Fundamt etwas reformieren?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hanna:<\/strong> Wir haben das Fundb\u00fcro vor kurzem in die Impler- und Ruppertstra\u00dfe umgezogen. Dann k\u00f6nnen die B\u00fcrger*innen besser nachvollziehen, was alles zum KVR geh\u00f6rt. Bisher war das Fundb\u00fcro ziemlich versteckt und schlecht erreichbar am Westpark angesiedelt. Auf lange Sicht w\u00e4re es sch\u00f6n, wenn die Fundsachen online durchforstet werden k\u00f6nnten, sodass man sich vor dem Besuch informieren kann, ob die verlorene Sache dabei ist. Das macht die MVG schon so.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Kommen wir zu den kommunalen Ordnungsh\u00fctern, also Parkraum\u00fcberwachung und kommunaler Au\u00dfendienst. Was soll sich da \u00e4ndern?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hanna:<\/strong> Ja, da geh\u00f6ren die Bezirksinspektionen auch noch dazu, die rausgehen, um in der Gastronomie Sondernutzungen, Hygiene und Lebensmittel zu kontrollieren. Beim Au\u00dfendienstpersonal m\u00f6chte ich etwas \u00e4ndern. Ich stelle mir die Frage: Wie soll ich einsch\u00e4tzen k\u00f6nnen, was drau\u00dfen passiert, wenn ich nur wenig Leute habe, die drau\u00dfen unterwegs sind. Das will ich ausbauen, damit mehr Informationen ins KVR hereingetragen werden. Im Bereich der Verkehrs\u00fcberwachung versuchen wir, durch eine bessere Bezahlung mehr Personal zu gewinnen. Den kommunalen Au\u00dfendienst, der momentan haupts\u00e4chlich in der Altstadt unterwegs ist, m\u00f6chte ich gerne flexibler einsetzen. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Den kommunalen Au\u00dfendienst m\u00f6chte ich gerne flexibler einsetzen. <\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Wir haben dort 90 Personen, die gut ausgebildet sind. Sie k\u00f6nnten meiner Meinung nach in der ganzen Stadt eingesetzt werden wie zum Beispiel an der Isar. Der Ordnungsdienst darf aber nicht zur Konkurrenz der Polizei werden. So wie er jetzt aufgestellt ist, ist das f\u00fcr mich ausreichend. Mehr Befugnisse sind nicht notwendig.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wie ist eigentlich das Verh\u00e4ltnis zur M\u00fcnchner Polizei?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hanna: <\/strong> Sehr gut. Schon das erste Treffen mit Polizeipr\u00e4sident Hampel war hochproduktiv. Wir sind drei Stunden zusammen gesessen und haben dar\u00fcber gesprochen, wie wir zusammen arbeiten wollen. Ziemlich schnell ging es dann schon mit der Debatte um die Rammstein-Konzerte an Silvester auf der Theresienwiese los. So schwierig die Debatte war, so gut war es f\u00fcr unser Verh\u00e4ltnis zur M\u00fcnchner Polizei. Sie haben gemerkt, dass das KVR hinter ihnen steht und dass unsere Positionen deckungsgleich sind.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"730\" height=\"534\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/magazin-neu.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/IMG_8313.jpg?resize=730%2C534&#038;ssl=1\" alt=\"\" class=\"wp-image-5738\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/magazin.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/IMG_8313.jpg?w=1000&amp;ssl=1 1000w, https:\/\/i0.wp.com\/magazin.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/IMG_8313.jpg?resize=300%2C220&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/magazin.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/IMG_8313.jpg?resize=768%2C562&amp;ssl=1 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 730px) 100vw, 730px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Aber hat sich das Thema negativ auf die Koalition ausgewirkt, da die SPD das Rammstein-Konzert ja wollte?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hanna: <\/strong>Nein, es sind zwei Parteien und da ist es nicht \u00fcberraschend, dass bei einzelnen Themen unterschiedlich abgestimmt wird. Ich habe es nicht so aufgefasst, dass die SPD-Fraktion mir etwas bl\u00f6des wollte. Sie haben gesagt, dass sie die Konzerte wollen. Wir haben als Kreisverwaltungsbeh\u00f6rde kommuniziert, dass es uns inhaltlich politisch nichts angeht, was die Parteien wollen. Wir haben nur die sicherheitsrechtlichen Probleme aufgezeigt &#8211; was unsere Aufgabe ist. Das tun wir bei jedem Konzert, ganz gleich ob da Rammstein, Helene Fischer oder wer auch immer spielt.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wie ist das eigentlich privat bei Nik und Dir, gibt\u2019s da hitzige Diskussionen am K\u00fcchentisch?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hanna:<\/strong> Nein, gar nicht. Das fragen uns immer viele. Wir haben uns kennengelernt, da war er schon SPD-Stadtrat und ich war Gr\u00fcnen-Vorsitzende. Seit Beginn unserer Beziehung war klar, dass wir bei unterschiedlichen Themen unterschiedliche Positionen haben. Das hat mit der Bewerbung von M\u00fcnchen f\u00fcr die olympischen Winterspiele 2018 angefangen. Er fand es toll, ich war eher kritisch. Es war f\u00fcr uns klar, dass wir das nicht in unsere Beziehung rein lassen. So ist das gewachsen und bis heute noch so.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ein Thema will ich noch einmal aufgreifen: Den Skandal im Sperrbezirk damals mit der strikten Verbannung der Prostitution weitgehend aus der Stadt, die bis heute Bestand hat. Jetzt sagst Du, das Thema muss aufgegriffen und nach 50 Jahren anders angegangen werden.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hanna:<\/strong> Die Sperrbezirksverordnung wurde damals erlassen, um f\u00fcr die olympischen Spiele 1972 eine saubere Innenstadt zu haben. Als die Spiele vorbei waren, hat man sich die Verordnung lange nicht mehr angeschaut \u2013 das letzte Mal vor 17 Jahren. Mir ist es als Verwaltungsrechtlerin ein Grundbed\u00fcrfnis, regelm\u00e4\u00dfig zu \u00fcberpr\u00fcfen, ob Verordnungen noch verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig sind. Sicherheitsrechtliche Verordnungen m\u00fcssen immer wieder neu bewertet werden, denn sie begr\u00fcnden schlie\u00dflich Eingriffe in Grundrechte.<br>Was mir aber zus\u00e4tzlich schon ein gro\u00dfes Anliegen ist, weil ich hierzu immer wieder Zuschriften bekomme: Zum Beispiel Bewohner*innen von Pflegeheimen oder Altenheimen, die nicht in der Lage sind, au\u00dferhalb in ein Bordell zu fahren. Es ist also f\u00fcr diese Gruppe nicht m\u00f6glich, sich in irgendeiner Weise Sexualbegleitung zu erkaufen. Da geht es oft gar nicht um Sex, sondern um k\u00f6rperliche N\u00e4he. Da w\u00e4re ein erster Schritt, Standorte von Heimen aus der Sperrbezirksverordnung herauszunehmen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Was ich in dem Gespr\u00e4ch hier gelernt habe, dass eine Beh\u00f6rde, die ziemlich stark an Landes- und Bundesrecht gebunden ist, dann doch einen relativ gro\u00dfen Handlungsspielraum hat.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hanna:<\/strong> Man muss sich auskennen und sich die Nischen suchen. Ein Beispiel: In der Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde gibt es strikte Vorgaben von Bund und Land, wie das Aufenthaltsrecht angewendet werden muss. Das hei\u00dft, dass wir bei der Anwendung des Rechts wenig Spielraum haben. Unsere Nische ist aber daf\u00fcr die Antragsstellung. Wir versuchen sie, so einfach wie m\u00f6glich zu gestalten, indem wir zum Beispiel mehrsprachige Informationen, besonders kundenfreundliche Beratungszeiten oder Online-Terminvereinbarungen anbieten. Wenn ich juristisch keinen Spielraum habe, muss ich schauen, was im Rahmen meiner Organisation m\u00f6glich ist.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Herzlichen Dank f\u00fcr das ausf\u00fchrliche Gespr\u00e4ch und viel Erfolg bei der Umsetzung der Aufgaben<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/magazin-neu.progeno.de\/index.php\/redaktionsteam\/\">Interview Robert Allmeier \/ Fotos Renate Langwieder<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview mit Kreisverwaltungsreferentin Hanna Samm\u00fcller-Gradl Gemeinsam mit ihrem Mann Nik Gradl und ihren Kindern wohnt&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":5738,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"ngg_post_thumbnail":0,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_feature_clip_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_post_was_ever_published":false},"categories":[5],"tags":[363,412,23,432,413,433,35],"class_list":["post-5608","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-wir-und-die-stadt","tag-ausgabe-5","tag-hanna-sammueller-gradl","tag-interview","tag-kreisverwaltungsreferat","tag-kreisverwaltungsreferentin","tag-kvr","tag-pep"],"acf":[],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/magazin.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/IMG_8313.jpg?fit=1000%2C732&ssl=1","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/magazin.progeno.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5608","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/magazin.progeno.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/magazin.progeno.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/magazin.progeno.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/magazin.progeno.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5608"}],"version-history":[{"count":17,"href":"https:\/\/magazin.progeno.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5608\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5971,"href":"https:\/\/magazin.progeno.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5608\/revisions\/5971"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/magazin.progeno.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5738"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/magazin.progeno.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5608"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/magazin.progeno.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5608"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/magazin.progeno.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5608"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}