{"id":6971,"date":"2023-11-21T10:00:00","date_gmt":"2023-11-21T08:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/magazin.progeno.de\/?p=6971"},"modified":"2025-03-17T18:18:57","modified_gmt":"2025-03-17T16:18:57","slug":"ich-habe-etwas-das-du-nicht-siehst-sichtbare-versus-unsichtbare-behinderungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/magazin.progeno.de\/index.php\/2023\/11\/21\/ich-habe-etwas-das-du-nicht-siehst-sichtbare-versus-unsichtbare-behinderungen\/","title":{"rendered":"Ich habe etwas, das du nicht siehst \u2013 sichtbare versus unsichtbare Behinderungen"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Knapp 10% (7,8 Mio. im Jahr 2022) aller Menschen in Deutschland leben mit einer Schwerbehinderung. Davon sind lediglich 3% seit ihrem ersten Lebensjahr beeintr\u00e4chtigt und 90% durch eine Erkrankung, die im sp\u00e4teren Leben aufgetreten ist. 80% aller Behinderungen sind auf den ersten Blick nicht wahrnehmbar.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong><em>(Quellen: https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Presse\/Pressemitteilungen\/2022\/06\/PD22_259_227.html https:\/\/www.consilium.europa.eu\/de\/infographics\/accessibility\/)ser<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In den offiziellen Zahlen sind mit Sicherheit viele Menschen mit seelischer Beeintr\u00e4chtigung nicht erfasst, da die Erkrankungen oft erst sp\u00e4t erkannt werden und sich viele scheuen, den Schritt der Anerkennung des Grad der Behinderung zu wagen, aus Scham oder Angst vor Ausgrenzung bzw. Nachteilen im Arbeitsleben. Die meisten psychischen Erkrankungen werden bereits im Kindesalter erworben und oft erst im Erwachsenenalter erkannt, wenn das Funktionieren in unserer Leistungsgesellschaft nicht mehr m\u00f6glich ist. Selbst wenn eine Erkrankung bereits im Kindesalter entdeckt wird, sind die Wartezeiten auf einen Therapieplatz f\u00fcr Kinder ebenso wie f\u00fcr Erwachsene sehr lange, da es leider viel zu wenige Kassensitze f\u00fcr Therapeutinnen und Therapeuten gibt. Unbehandelte psychische Akuterkrankungen oder eine rein medikament\u00f6se Behandlung f\u00fchren allerdings in der Regel zu chronischen St\u00f6rungsbildern, die sich selten wieder vollst\u00e4ndig zur\u00fcckbilden und die Teilhabe am Arbeitsleben und anderen Lebensbereichen oft deutlich beeintr\u00e4chtigen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-rounded\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"730\" height=\"411\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/magazin-neu.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/PXL_20231020_132718812-1-1024x576.jpg?resize=730%2C411&#038;ssl=1\" alt=\"\" class=\"wp-image-7237\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/magazin.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/PXL_20231020_132718812-1-scaled.jpg?resize=1024%2C576&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/magazin.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/PXL_20231020_132718812-1-scaled.jpg?resize=300%2C169&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/magazin.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/PXL_20231020_132718812-1-scaled.jpg?resize=768%2C432&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/magazin.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/PXL_20231020_132718812-1-scaled.jpg?resize=1536%2C864&amp;ssl=1 1536w, https:\/\/i0.wp.com\/magazin.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/PXL_20231020_132718812-1-scaled.jpg?resize=2048%2C1152&amp;ssl=1 2048w, https:\/\/i0.wp.com\/magazin.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/PXL_20231020_132718812-1-scaled.jpg?w=1460&amp;ssl=1 1460w, https:\/\/i0.wp.com\/magazin.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/PXL_20231020_132718812-1-scaled.jpg?w=2190&amp;ssl=1 2190w\" sizes=\"auto, (max-width: 730px) 100vw, 730px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>Pilotprojekt &#8222;Ramadama-Men\u00fc&#8220;<\/em><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><br>Wenn man in der Selbsthilfe aktiv ist, wie ich, und viel liest zu behinderungsspezifischen Themen, kommt man also um das Thema Sichtbarkeit der Beeintr\u00e4chtigung nicht herum. Es ist eine M\u00f6glichkeit (neben vielen anderen) Behinderungen zu unterscheiden. Stigmatisierung und Diskriminierung erleben nahezu alle Menschen mit Beeintr\u00e4chtigungen, nur die Art und Weise ist unterschiedlich, je nachdem ob die Beeintr\u00e4chtigung von au\u00dfen wahrnehmbar ist oder nicht. Von Menschen mit sichtbaren Beeintr\u00e4chtigungen, wie beispielsweise Menschen, die auf Hilfsmittel wie Rollstuhl, Blindenstock oder H\u00f6rger\u00e4te angewiesen sind oder Menschen mit deutlichen Spracheinschr\u00e4nkungen oder Gesichtsmerkmalen, die z.B. an Downsyndrom erinnern, wei\u00df ich, dass sie in vielen Situationen auf ihre Behinderung reduziert wurden und ihre F\u00e4higkeiten und Potenziale v\u00f6llig untersch\u00e4tzt wurden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"730\" height=\"411\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/magazin-neu.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Manche-Behinderungen-sehen-so-aus-1-1024x576.png?resize=730%2C411&#038;ssl=1\" alt=\"\" class=\"wp-image-7062\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/magazin.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Manche-Behinderungen-sehen-so-aus-1.png?resize=1024%2C576&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/magazin.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Manche-Behinderungen-sehen-so-aus-1.png?resize=300%2C169&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/magazin.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Manche-Behinderungen-sehen-so-aus-1.png?resize=768%2C432&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/magazin.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Manche-Behinderungen-sehen-so-aus-1.png?w=1366&amp;ssl=1 1366w\" sizes=\"auto, (max-width: 730px) 100vw, 730px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><br>Das Gegenteil passiert h\u00e4ufig bei Menschen, deren Beeintr\u00e4chtigung nicht auf den ersten Blick sichtbar ist. Menschen mit chronischen psychischen oder k\u00f6rperlichen Erkrankungen m\u00fcssen h\u00e4ufig lange darum k\u00e4mpfen, dass ihr Hilfebedarf anerkannt wird und ihre Einschr\u00e4nkungen wahrgenommen werden. Viel zu wenig wird meiner Meinung nach von entsprechenden Kostentr\u00e4gern darauf geachtet, welche Auswirkungen diese langwierigen Verfahren auf die mentale Gesundheit der Antragsstellenden haben. Es gibt sogar Ger\u00fcchte, dass in entsprechenden \u00c4mtern ein Ablehnungswettstreit unter den Mitarbeitenden herrscht und eine genaue Pr\u00fcfung der F\u00e4lle erst im Widerspruchsverfahren erfolgt \u2013 trotz Bundesteilhabegesetz, das es seit 2018 gibt und inzwischen vollst\u00e4ndig in Kraft getreten ist. Die Unsicherheit und Ohnmacht in einem solchen Antragsverfahren \u00fcber einen langen Zeitraum auszuhalten, kostet viel Kraft und nicht selten verschlechtert sich w\u00e4hrenddessen die psychische Gesundheit. Studien zeigen aber, dass Teilhabeleistungen umso erfolgreicher sind, je schneller sie durchgef\u00fchrt werden. Leider dauert es viel zu lange, bis wissenschaftliche Erkenntnisse oder neue Gesetzeslagen im Beh\u00f6rdenalltag ankommen und Ver\u00e4nderungen in die Wege geleitet werden. <br><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Beratung auf Augenh\u00f6he und Selbstverantwortung<\/h3>\n\n\n\n<p>Wesentlich h\u00e4ufiger erlebe ich jedoch, dass Menschen mit unsichtbaren Einschr\u00e4nkungen gar nicht wissen, auf welche Hilfen sie Anspruch haben oder sich nicht trauen bzw. es nicht schaffen sich Hilfe zu organisieren. Leider sind selbst Fachkr\u00e4fte aus dem psychosozialen Bereich noch unerfahren mit den neuen Teilhabeleistungen, sodass Betroffene nicht selten Fehlinformationen erhalten. Weit schlimmer sind allerdings die F\u00e4lle von Menschen mit Beeintr\u00e4chtigungen, die zwar Hilfen und Unterst\u00fctzung erhalten, die f\u00fcr sie aber gleichzeitig belastend oder sogar sch\u00e4dlich sind. Diese Menschen verlieren nicht selten das Vertrauen ins Hilfesystem und lehnen professionelle Hilfe g\u00e4nzlich ab oder brauchen sehr lange, um neuen Unterst\u00fctzungspersonen wieder zu vertrauen. Selbsthilfe- oder Peer-to-Peer-Beratungen (wie z.B. die Erg\u00e4nzende unabh\u00e4ngige Teilhabeberatung- EUTB) haben dann durch die eigene Erfahrungsexpertise der Beraterinnen und Berater h\u00e4ufig einen v\u00f6llig anderen Zugang zu diesen Menschen, da die Beratung auf Augenh\u00f6he erfolgt.<br>Letztlich ist jeder Mensch einzigartig und hat seine individuellen Ressourcen, F\u00e4higkeiten, St\u00e4rken und Schw\u00e4chen, auch Menschen mit Beeintr\u00e4chtigungen. Dieselbe Art der Behinderung oder Erkrankung kann sich im Alltag bei zwei Menschen v\u00f6llig unterschiedlich auswirken. Daher legt das Bundesteilhabegesetz so gro\u00dfen Wert auf Selbstbestimmung und nimmt den Menschen mit Behinderung als Experte des eigenen Lebens ernst. Der individuelle Bedarf steht somit im Vordergrund und das Wunsch- und Wahlrecht der Betroffenen wurde erheblich gest\u00e4rkt. Ein wichtiger Schritt auf dem Weg in eine inklusive Gesellschaft, auch wenn die Reise dorthin noch lange dauern wird.<br><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Welche konkrete Chancen haben wir in der Progeno? <\/h3>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\">Wir als Gemeinschaft k\u00f6nnen viel daf\u00fcr tun, dass sich Menschen mit sichtbarere und unsichtbarer Behinderung in der Progeno wohl f\u00fchlen, egal ob letztere sich outen wollen oder nicht. Jede und jeder einzelne von uns kann mit offener Haltung auf andere zugehen, ohne vorschnell zu urteilen. Wir k\u00f6nnen einander besser verstehen, wenn wir uns gegenseitig zuh\u00f6ren und aufeinander achtgeben. Das nachbarschaftliche Miteinander und die Einbindung in die Gemeinschaft geben uns allen auch sozialen Halt, egal ob wir eine Beeintr\u00e4chtigung haben oder nicht.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-text-align-center\">Beim gemeinsamen Kochen Vorurteile abbauen, Begegnung erm\u00f6glichen und Zugang zur Gemeinschaft schaffen.<br><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-jetpack-tiled-gallery aligncenter is-style-columns\"><div class=\"\"><div class=\"tiled-gallery__gallery\"><div class=\"tiled-gallery__row\"><div class=\"tiled-gallery__col\" style=\"flex-basis:69.37367%\"><figure class=\"tiled-gallery__item\"><img decoding=\"async\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/magazin-neu.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/PXL_20231020_132730561.MP-1-1024x576.jpg?strip=info&#038;w=600&#038;ssl=1 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k\u00f6nnen am besten durch pers\u00f6nliche Begegnungen abgebaut werden. Das belegen nicht nur Studien, sondern auch preisgekr\u00f6nte Projekte. Mit dem Pilotprojekt Ramadama-Men\u00fc m\u00f6chte der AK Inklusion und Vielfalt nach erledigter Arbeit nicht nur die hungrigen M\u00e4gen f\u00fcllen, sondern auch eine Br\u00fccke schlagen und den Zugang zur Gemeinschaft \u00f6ffnen. Dabei wird eine kunterbunte Gruppe aus FAM-Leuten eine Vielfalt aus dem Topf auf die Teller zaubern und damit die Feier nach dem Ramadama zu einem tollen gemeinsamen Erlebnis machen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/magazin-neu.progeno.de\/index.php\/redaktionsteam\/\">Irene Zametzer und Ummaha Gr\u00e4sle | Grafik: Irene Zametzer | Fotos: Maik Eichst\u00e4dt<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Knapp 10% (7,8 Mio. im Jahr 2022) aller Menschen in Deutschland leben mit einer Schwerbehinderung.&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":7154,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"ngg_post_thumbnail":0,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_feature_clip_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_post_was_ever_published":false},"categories":[4],"tags":[574,583,582,557,560,584,585],"class_list":["post-6971","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-vor-und-nachgedachtes","tag-ausgabe-7","tag-behinderung","tag-gemeisnchaft","tag-inklusion","tag-kochen","tag-seelische-beeintraechtigung","tag-untertstuetzung"],"acf":[],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/magazin.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/PXL_20231020_132711441.MP_-scaled-e1699461451996.jpg?fit=2035%2C1171&ssl=1","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/magazin.progeno.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6971","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/magazin.progeno.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/magazin.progeno.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/magazin.progeno.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/magazin.progeno.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6971"}],"version-history":[{"count":26,"href":"https:\/\/magazin.progeno.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6971\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9115,"href":"https:\/\/magazin.progeno.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6971\/revisions\/9115"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/magazin.progeno.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7154"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/magazin.progeno.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6971"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/magazin.progeno.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6971"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/magazin.progeno.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6971"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}