{"id":717,"date":"2020-09-10T01:00:49","date_gmt":"2020-09-09T23:00:49","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.gmacht-in-muenchen.de\/?p=717"},"modified":"2023-05-08T18:25:20","modified_gmt":"2023-05-08T16:25:20","slug":"laerm-entsteht-im-kopf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/magazin.progeno.de\/index.php\/2020\/09\/10\/laerm-entsteht-im-kopf\/","title":{"rendered":"L\u00e4rm entsteht im Kopf"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Nur im Weltall ist es wirklich still<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p><strong><em>Philosophische Betrachtungen zum Umgang mit dem Thema \u201eL\u00e4rm\u201c, inspiriert vom Jahresbericht der Z\u00fcrcher Genossenschaft Kalkbreite (Sieglinde Geisel)<\/em><\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"591\" height=\"392\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/magazin-neu.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/ohr.jpg?resize=591%2C392&#038;ssl=1\" alt=\"\" class=\"wp-image-1024\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/magazin.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/ohr.jpg?w=591&amp;ssl=1 591w, https:\/\/i0.wp.com\/magazin.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/ohr.jpg?resize=300%2C199&amp;ssl=1 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 591px) 100vw, 591px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Vor zwei Jahren bin ich mit anderen in den herrlichen \u201eS\u00fcdfl\u00fcgel\u201c der Progeno Genossenschaft im Prinz-Eugen-Park gezogen. Die Zeiten eines Um- und Einzugs, eines Wohnortwechsels machten auch eine Neuorientierung im Raum der Ger\u00e4usche notwendig. Die Ger\u00e4usche in der Wohnung waren neu und zun\u00e4chst noch ungewohnt. Aber ebenso neu zu lernen waren die Ger\u00e4usche im Au\u00dfenraum. Viel Raum nehmen die Ger\u00e4usche der vielen Kinder ein, die einen wunderbaren Hof zum Spielen bekommen haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Mein Interesse am Thema L\u00e4rm, in oder au\u00dferhalb einer Genossenschaft, ist durch den Jahresbericht der Z\u00fcrcher Genossenschaft Kalkbreite aus dem Jahr 2018 geweckt worden. Die Kalkbreite weist jede Menge Erfahrung und ebenso viel Pioniergeist auf. Auch unsere Gr\u00fcndungsv\u00e4ter und Gr\u00fcndungsm\u00fctter besuchten 2016 die Kalkbreite, sie machten sich ein Bild vor Ort und lie\u00dfen sich inspirieren!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Verbindung eines Stra\u00dfenbahndepots mit Wohnraum<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Stadt Z\u00fcrich hatte seit den 70er Jahren nach einer L\u00f6sung gesucht, die eine \u00dcberdeckelung des Stra\u00dfenbahndepots vorsah. Die 2006 gegr\u00fcndete Genossenschaft \u201eKalkbreite\u201c erhielt 2007 das Grundst\u00fcck in Erbpacht. Ausschlag ergab deren innovatives Konzept. Die Verbindung von Wohnen, Arbeiten und Kultur. Es war ein st\u00e4dtischer Knotenpunkt gew\u00fcnscht, der von der N\u00e4he zu den \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln profitiert. Zwei Tramlinien halten dort, etliche Busse und die Blockrandsiedlung wurde von zwei stark befahrenen Stra\u00dfen und einer Bahntrasse begrenzt. Das Rattern der Z\u00fcge l\u00f6st Ersch\u00fctterungen aus, die sich durch das Erdreich bis in das Geb\u00e4udeinnere ausbreiten und selbst dicke Betondecken in Schwingung versetzen k\u00f6nnen. Eine elastische Lagerung der Geb\u00e4ude war von N\u00f6ten!<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img data-recalc-dims=\"1\" height=\"411\" width=\"730\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/blog.gmacht-in-muenchen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Kalkbreite-1-1024x576.png?resize=730%2C411&#038;ssl=1\" alt=\"\" class=\"wp-image-718\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>Kalkbreite Z\u00fcrich<\/em>,  Quelle Wohnungsgenossenschaft Kalkbreite<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Das Stra\u00dfenbahndepot wurde bis in das zweite Obergeschoss ausgebaut. Im ersten OG herrscht ein hoher B\u00fcroanteil und im Erdgeschoss Gewerbe und Gastronomie. Insgesamt 24 gewerbliche Adressen gibt es in der Kalkbreite. In gemeinschaftlicher Abstimmung wurden unterschiedliche Wohnm\u00f6glichkeiten geschaffen: 88 Wohnungen von 1 bis 9,5 Zimmern dienen unterschiedlicher Nutzung durch 250 Mieterinnen und Mieter!<\/p>\n\n\n\n<p>In ihrem Jahresbericht jedoch bekennt die Pr\u00e4sidentin der Genossenschaft, dass nicht wenige der Mieterinnen und Mieter des Wohn- und Gewerbebaus dauerhaft einer L\u00e4rmbelastung ausgesetzt seien. Diese L\u00e4rmbelastung gehe gelegentlich sogar \u00fcber das Zumutbare hinaus! Es gibt inzwischen ein Nachfolgeprojekt, das Zollhaus. Die Beschreibungen der L\u00e4rmbelastungen klingen auch bei diesem Projekt sehr \u00e4hnlich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Progeno M\u00fcnchen Prinz-Eugen-Park und Freiham<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ganz anders bei uns im Prinz-Eugen-Park: Unter unserem Hof wurden die Tiefgarage, Fahrradr\u00e4ume und Keller gebaut, frei von L\u00e4rmbelastungen! Die W\u00e4nde in meiner Wohnung lassen so gut wie keine Ger\u00e4usche von meinen Nachbarn durch. Am sp\u00e4ten Abend l\u00e4sst sich auf meinem Balkon das gleichm\u00e4\u00dfige Rauschen des Autoverkehrs einer Gro\u00dfstadt h\u00f6ren, f\u00fcr mich bedeutet es keine St\u00f6rung oder Bel\u00e4stigung. Der Blick ins Gr\u00fcne, sei es in unseren Hof oder nach S\u00fcden in die Baumreihen, d\u00e4mpft meine Wahrnehmung von etwaigem L\u00e4rm. Eine ganze Zeit wurde ja im Viertel noch gebaut, ich habe diese Art von Bauger\u00e4usche fast schon vergessen!<\/p>\n\n\n\n<p>So oder \u00e4hnlich wird es den Bewohnern und Bewohnerinnen nach dem Bezug in Freiham sicher auch gehen. In der Kalkbreite ist z.B. der individuelle Besitz eines Privatautos verp\u00f6nt, es wurden deshalb auch keine Garagenpl\u00e4tze gebaut. Die zuk\u00fcnftigen Bewohner in Freiham besch\u00e4ftigen sich schon vor dem Einzug mit ihrem Mobilit\u00e4tskonzept. Sie stellen sich den Fragen: Wie l\u00e4sst sich die Zahl der Privatautos reduzieren, die ja einen nicht unerheblichen Anteil an der L\u00e4rmbel\u00e4stigung in einer Gro\u00dfstadt haben? Wie k\u00f6nnen \u201eLasten\u201c ohne Auto bewegt werden, und wie l\u00e4sst sich der Weg zur Arbeit z.B. mit einem E-Bike auch von Freiham aus gestalten? Da sind kluge Ideen gefragt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img data-recalc-dims=\"1\" height=\"548\" width=\"730\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/blog.gmacht-in-muenchen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Laerm2-1024x768.jpg?resize=730%2C548&#038;ssl=1\" alt=\"\" class=\"wp-image-756\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Wie wird ein Ger\u00e4usch zu L\u00e4rm ? L\u00e4rm entsteht erst im Kopf ?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In gewisser Weise geh\u00f6rt L\u00e4rm ganz einfach zum Leben.&nbsp;Ohne Menschen g\u00e4be es keinen L\u00e4rm. Die Natur kennt Ger\u00e4usche, Wasser kann tr\u00f6pfeln, rauschen, tosen. Der Wind pfeift und versetzt B\u00e4ume und Bl\u00e4tter in Schwingungen. Die Ger\u00e4usche, die hierbei entstehen sind beruhigend. Selbst die lautesten Ger\u00e4usche, die in der Natur entstehen, wie der Donner oder gar ein Vulkanausbruch, sind f\u00fcr sich genommen kein L\u00e4rm.<\/p>\n\n\n\n<p>L\u00e4rm entsteht also erst im Kopf, hier wird entschieden, ob es sich bei einem Ger\u00e4usch um L\u00e4rm handelt! Die meisten Ger\u00e4usche, die wir als L\u00e4rm wahrnehmen, werden von anderen Menschen oder Tieren verursacht. Mit den Ohren wenden wir uns der Umwelt zu und entscheiden, welcher L\u00e4rm uns z.B. Schmerzen bereitet, oder weniger drastisch, uns st\u00f6rt und nervt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Nachdenken \u00fcber L\u00e4rm f\u00fchrt unweigerlich auch zu sozialen Fragen. Wer bel\u00e4stigt wen, und wer darf wen bel\u00e4stigen? L\u00e4rm ist also auch eine Machtfrage im politischen Raum!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>L\u00e4rmquellen werden in der Stadt zu L\u00e4rmbel\u00e4stigungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In Gro\u00dfst\u00e4dten wie M\u00fcnchen und Z\u00fcrich sind Bewohnerinnen und Bewohner den unterschiedlichsten Quellen und Formen von L\u00e4rm ausgesetzt. Beispielhaft genannt sei: Die L\u00e4rmbel\u00e4stigung durch Gewerbebetriebe, durch Veranstaltungen im Freien und geschlossenen R\u00e4umen, durch Gastst\u00e4tten, hier besonders der L\u00e4rm ausgehend von den sogenannten \u201e Freischankfl\u00e4chen \u201c (Bierg\u00e4rten).<\/p>\n\n\n\n<p>Aktuell versch\u00e4rft sich in M\u00fcnchen die L\u00e4rmproblematik an etlichen Pl\u00e4tzen in der Innenstadt. Die Regeln im Umgang mit dem Corona Virus schreiben uns z.B. Abstand halten und Makenpflicht vor. Zu einem wahren Hotspot hat sich der G\u00e4rtnerplatz entwickelt, die Einhaltung der Coronaregeln ist au\u00dfer Kraft gesetzt. Die St\u00f6rung der Anwohner durch die Menge an Feiernden und dem damit verbundene Vandalismus, ist leicht zu verstehen. Die Stadt reagiert mit Alkoholverbot und versucht mit R\u00e4umungen dem Ganzen ein Ende zu setzen<\/p>\n\n\n\n<p>Aufgef\u00fchrt sei aber auch der Nachbarschaftsl\u00e4rm, der Baul\u00e4rm, Stra\u00dfenl\u00e4rm, L\u00e4rm von Schienenfahrzeugen, Flugl\u00e4rm, L\u00e4rm am Arbeitsplatz und vielen weiteren Formen von L\u00e4rm! Es herrscht Einigkeit dar\u00fcber, dass L\u00e4rm gesundheitliche Auswirkungen hat. L\u00e4rm st\u00f6rt, wenn wir in Ruhe nachdenken oder reden wollen. L\u00e4rm stresst und wir schlafen weniger tief, wir sind nerv\u00f6s und gereizt. L\u00e4rm macht krank, es kommt zu Depressionen, erh\u00f6htem Blutdruck und Herz-Kreislauf-Problemen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>L\u00e4rm entsteht im Kopf<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Unser Kopf entscheidet, welche Aufmerksamkeit wir den L\u00e4rmbel\u00e4stigungen einer Gro\u00dfstadt schenken. Die intensive Besch\u00e4ftigung mit dem Thema L\u00e4rm verst\u00e4rkt allerdings auch gleichzeitig die Sehnsucht nach Stille.<\/p>\n\n\n\n<p>Wirklich still ist es nur im Weltraum, denn dort gibt es kein Medium f\u00fcr die Schallwellen. Astronauten schlafen mit Ohrst\u00f6pseln, weil die Ventilatoren der Raumstation so laut sind. Bei einem Weltraumspaziergang ist es wegen der Klimaanlage im Raumanzug lauter als bei jedem anderen Spaziergang.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht mit jedem L\u00e4rm in der realen Welt kann man sich vers\u00f6hnen. Aber das der L\u00e4rm eine Frage des eigenen Bewusstseins ist, ist tr\u00f6stlich. Wenn einem auff\u00e4llt, dass man das Zwitschern der V\u00f6gel vor dem Fenster angenehm findet, f\u00fchlt man sich vom Wellensittich des Nachbarn nicht mehr gest\u00f6rt. Man h\u00f6rt ihn als Vogel und nicht mehr als Ger\u00e4usch aus der Nachbarwohnung.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/magazin-neu.progeno.de\/index.php\/redaktionsteam\/\">Karla Fl\u00fcgel<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nur im Weltall ist es wirklich still Philosophische Betrachtungen zum Umgang mit dem Thema \u201eL\u00e4rm\u201c,&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":10,"featured_media":1021,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"ngg_post_thumbnail":0,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_feature_clip_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_post_was_ever_published":false},"categories":[4],"tags":[104,17,26,35,47,49],"class_list":["post-717","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-vor-und-nachgedachtes","tag-ausgabe-1","tag-freiham","tag-laerm","tag-pep","tag-umwelt","tag-zuerich-kalkbreite"],"acf":[],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/magazin.progeno.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/ohr-quadratisch.jpg?fit=391%2C391&ssl=1","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/magazin.progeno.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/717","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/magazin.progeno.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/magazin.progeno.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/magazin.progeno.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/10"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/magazin.progeno.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=717"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/magazin.progeno.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/717\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6250,"href":"https:\/\/magazin.progeno.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/717\/revisions\/6250"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/magazin.progeno.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1021"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/magazin.progeno.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=717"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/magazin.progeno.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=717"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/magazin.progeno.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=717"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}