Wege zu einem guten Miteinander
Freiham im Gespräch: Gemeinsam mit SteG entwicklen Bewohner:innen in einem Workshop neue Ideen für Dialog und konstruktive Konfliktlösung in der Nachbarschaft.
Anlässlich einiger konkreter unerfreulicher Vorfälle wurde von einigen Mitgliedern gegenüber dem Vorstand der Wunsch geäußert, unsere gemeinsamen Werte – Respekt, Toleranz, Partnerschaftlichkeit und Solidarität – im Alltag noch stärker zu verankern. Felizitas Mussenbrock-Strauß nahm daraufhin Kontakt mit SteG (Stelle für Gemeinwesenmediation) auf, kostenlose Unterstützung bei Konflikten ermöglicht.
Mit diesem freiwilligen Angebot an alle eröffnet sich hoffentlich eine hilfreiche Perspektive – als Grundlage für ein respektvolles Miteinander und einen konstruktiven Umgang mit Konflikten und Störungen im Zusammenleben.

Veronika Hein, Freihamer Bewohnerin und Mitglied des Moderatoren-Teams, berichtet im folgenden Beitrag von den Erfahrungen und Eindrücken aus diesem gemeinsamen Prozess:
„In zwei abendlichen Treffen à 90 Minuten fand kürzlich in Freiham das Projekt „Lasst uns reden“ statt – eine Initiative, die Bewohner:innen helfen sollte, Konflikte im Zusammenleben besser zu verstehen und konstruktiv zu lösen. Dazu luden wir zwei geschulte ehrenamtliche Mediatoren von SteG ein, einem kostenlosen Angebot der Stadt München zur Konfliktlösung.
Die lebhaften Diskussionen und kreativen Ideen der Teilnehmer zeigten: Das Bedürfnis nach Austausch und Lösungsstrategien ist groß.


Konflikte verstehen: Was wünschen wir uns?
Zu Beginn stand die Frage im Raum: Was wünschen wir uns von den beteiligten Konfliktparteien? Die Antworten waren vielfältig:
- Transparenz und Offene Ohren: Beide Seiten sollten einander zuhören und ihre Perspektiven darlegen.
- Lösungsorientierung: Statt Vorwürfe zu machen, ging es darum, gemeinsam nach Wegen aus dem
Konflikt zu suchen. - Respekt und Toleranz: Mehr Verständnis für die Beteiligten und die Akzeptanz, dass nicht alle Konflikte vermeidbar sind.
Ein zentraler Wunsch war es, Konflikte nicht eskalieren zu lassen – weder im direkten Gespräch noch in Chats. Stattdessen sollten klare Regeln für den Austausch gelten, etwa:
- Keine Schuldzuweisungen, sondern sachliche Beschreibungen der Situation.
- Keine Verallgemeinerungen, sondern konkrete Beispiele.
- Keine Beleidigungen oder Unterstellungen.
Wie gehen wir mit Konflikten um?
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Reflexion des eigenen Verhaltens:
- Was löst der Konflikt in mir aus? (z. B. Stress, Wut, Hilflosigkeit)
- Wie wirke ich auf andere? (z. B. durch meine Körpersprache oder Wortwahl)
- Was wünsche ich mir von der anderen Seite? (z. B. mehr Empathie oder Kompromissbereitschaft)
Die Gruppe einigte sich darauf, dass offene Kommunikation der Schlüssel ist – sei es durch direkte Gespräche, Moderation oder klare Absprachen.



Belastungen und Grenzen
Konflikte kosten Energie. Die Teilnehmer benannten Belastungsfaktoren wie:
- Emotionale Erschöpfung („Es macht mich traurig“)
- Zeitmangel („Ich habe keine Lust auf weitere Diskussionen“)
- Unsicherheit („Wie reagieren die anderen?“)
Trotzdem war der Tenor, dass Konflikte zum Zusammenleben dazugehören – aber sie sollten fair und
respektvoll ausgetragen werden.
Praktische Lösungsansätze
Am Ende stand die Frage: Wie können wir Konflikte konstruktiv lösen? Die Ideen reichten von:
- Gemeinsame Aktivitäten (z. B. Kochabende, Spiele) zur Stärkung des Zusammenhalts
- Klare Absprachen (z. B. über Lärm oder Nutzung gemeinsamer Räume)
- Interne (Moderatorenteam) oder ggf. auch externe Moderation, falls Gespräche feststecken
- Aktiv auf weniger bekannte Nachbarn zugehen (z.B. im Waschkeller small talk führen)
Einig war man sich: Konflikte sollten nicht ignoriert, sondern als Chance für Verbesserung genutzt werden.
„Lasst uns reden“ war ein erster Schritt. Die Hoffnung ist, dass die Ideen und Impulse aus dem
Workshop auch im Alltag lebendig bleiben. Fazit: Reden hilft!
